Newsletter


Name:

E-Mail:


PDFDruckenE-Mail

4/2003

78 (2003) 4: Internationale Verteilungskonflikte

[English Version] [Bestellen] [Download]

Abhandlungen


Die friedenspolitische Bedeutung internationaler Verteilungskonflikte um Erdöl für den Vorderen Orient
Martin Beck

Ziel des Beitrages ist es, einen theoretisch und historisch fundierten Beitrag zur Analyse der friedenspolitischen Bedeutung internationaler Erdölkonflikte für die Region des Vorderen Orients zu leisten. Hierzu wird zunächst ein sicherheitspolitischer Ansatz zur Untersuchung der Verteilungskonflikte um Erdöl entfaltet, um anschließend deren Regelung und ihre Auswirkungen auf die friedenspolitische Verfassung des Vorderen Orients nach dem Zweiten Weltkrieg zu skizzieren. Die grundlegende These des Beitrages lautet, dass die USA ein internationales Erdölregime beförderten, welches einen weitgehenden Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel beim Konfliktaustrag ermöglichte, gleichzeitig aber die Chancen auf einen „Demokratischen Frieden“ im Vorderen Orient blockierte. Abschließend wird diskutiert, ob der Dritte Golfkrieg einen Paradigmenwechsel einleitete: Welche Indizien liegen vor, dass die USA 2003 einen Krieg um die Kontrolle von Erdöl führten, und wie ist es um die Chancen bestellt, durch die Demokratisierung des Irak einem Demokratischen Frieden im Vorderen Orient näher zu kommen?

Internationale Konflikte im Energiesektor und Strategien zu deren Minderung
Helga Steeg

Die Geschichte internationaler Verteilungskonflikte im Energiesektor zeigt, dass diese mit der strategischen Bedeutung von Energie für die Volkswirtschaften zusammenhängen. Kommt es zu Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage, sind aus geopolitischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen Verteilungskonflikte vorprogrammiert. Auch Umweltpolitik, Globalisierung und zunehmender internationaler Wettbewerb tragen zur Verschärfung bei. Die Strategien zur Minderung von Konflikten sind je nach Kurz- bzw. Langfristigkeit der Angebotsdefizite sowie der jeweiligen Rollenverteilung zwischen Markt und Politik unterschiedlich ausgeformt. Unsicherheiten über die künftige Angebots- und Nachfragesituation werden jedoch ebenso bestehen bleiben, wie auch Interessenunterschiede zwischen Produzenten und Verbrauchern nicht verschwinden werden, obwohl alle aus den Krisen der Vergangenheit gelernt haben. Alle denkbaren Möglichkeiten zu Verständigung und Kooperation müssen daher genutzt werden.

Verteilungskonflikte und ihre Regulierungsmöglichkeiten: Die internationale Dynamik von Kriegsökonomien in Afrika am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo
Denis M. Tull

Der Beitrag schließt an die jüngeren Arbeiten der Kriegsforschung an, die bei der Erklärung bewaffneter Konflikte ökonomische Faktoren in den Mittelpunkt der Analyse stellen. Demnach führt die gewaltgesteuerte Akkumulation von Ressourcen in rohstoffreichen Ländern zur Entstehung von Kriegsökonomien, welche die politischen Konfliktursachen überlagern und zur Reproduktion von Gewalt beitragen. Am Beispiel des Regionalkrieges in der DR Kongo werden die symbiotischen Beziehungen zwischen internationalen Verteilungskonflikten und kriegsökonomischen Zielen untersucht. Im zweiten Teil des Beitrags wird die Frage nach den externen Regulierungsmöglichkeiten dieser Verteilungskonflikte untersucht. Aufgrund des Fehlens eines spezifischen Instrumentariums wird für den Aufbau eines verbindlichen internationalen Regelwerkes plädiert, um die ökonomische Aktivitäten transnational operierender Akteure in Konfliktzonen zu steuern.

Historische Miszelle

Hundert Jahre und kein bisschen weise? Zum 100. Jahrestag der Abkommen über Guantanamo Bay
Christian Tams / Chester Brown

Guantanamo Bay ist in aller Munde, seit die US-Regierung den dortigen Flottenstützpunkt zur Internierung von Terrorverdächtigen nutzt. Trotz des großen Interesses sind die der US-Präsenz dort zugrunde liegenden Abkommen, zwei im Jahre 1903 geschlossene US-kubanische Pachtverträge, bisher kaum untersucht worden. Dies überrascht deshalb, weil Kuba immer wieder ein Recht zur einseitigen Lösung von den Verträgen eingefordert hat. Aus Anlass des 100. Jahrestages der Verträge werden die kubanischenArgumente in diesem Beitrag einer kritischen Würdigung unterzogen. Anhand der Kontroverse um Guantanamo Bay wird dabei auch der grundsätzliche Konflikt zwischen Stabilität und Flexibilität völkerrechtlicher Verträge aufgezeigt.