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3-4/2006

81 (2006) 3-4: Sicherheitsbedrohungen in Ostasien

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(Un)Sicherheit in Ostasien
Gunter Schubert

Abhandlungen

Eine neue Pax Sinica? Chinas Außenpolitik im Kontext bedrohter Sicherheit in Ostasien
Gudrun Wacker

Chinas (Wieder)Aufstieg zur Regional- und sogar zur Weltmacht gilt aufgrund der raschen Wirtschaftsentwicklung des Landes in der letzten 25 Jahren und seiner zunehmend aktiven Außenpolitik als unstrittig. Dieser Aufstieg wirkt sich nicht zuletzt auf die Nachbarstaaten Chinas in Nordost- und Südostasien aus. Sie versuchen, sich für die Möglichkeit eines künftigen aggressiveren Verhaltens der Volksrepublik abzusichern und halten an den USA als weiter­hin wichtigstem sicherheitspolitischen Partner fest. Eine neue Pax Sinica ist angesichts der fortdauernden US-Präsenz und wegen der Stellung Japans in der Region derzeit nicht am Horizont.

Krise und Identitätswandel – Japanische Sicherheitspolitik seit Beginn der neunziger Jahre
Dirk Nabers

Thema des Beitrags ist der theoretische Zusammenhang zwischen exogen verursachten Krisen und dem sicherheitspolitischen Identitätswandel eines Landes. Als Fallbeispiel dient die Sicherheitspolitik Japans seit dem Beginn der neunziger Jahre. Der sicherheitspolitische Identitätswandel Japans wird anhand dreier „Schübe“ oder Krisen untersucht: Die erste Krise fällt in das Jahr 1994 mit der Kündigung des Atomwaffensperrvertrags durch Nordkorea und die unmittelbare Gefahr einer militärischen Konfrontation des nordko­reanischen Regimes mit den USA. Die zweite Krise fällt in das Jahr 1998. Der nordkoreanische Raketentest im August des Jahres führte dazu, dass Japan seine Verwundbarkeit erstmals unmittelbar vor Augen geführt wurde. Schließlich sorgten die Ereignisse des 11. September 2001 für einen dritten Schub im japanischen Identitätswandel, der sich, so das Argument dieses Beitrags, fünf Jahre nach den Anschlägen auf den Bündnispartner USA in einem Maße verfestigt hat, dass eine Rückkehr in die Zeit der militärischen Enthaltsamkeit unmöglich ist.

Sicherheit in Ostasien: Eskalationspotentiale und Konfliktprävention

Achim Maas / Sonja Schirmbeck

Obwohl die Verhandlungen über das nordkoreanische Atom(waffen)programm nun bereits mehr als zwölf Jahre andauern, konnten in diesem Rahmen bisher keine substantiellen Fortschritte erzielt werden. Stattdessen haben sie zu einer Verhärtung der Positionen aller Beteiligten und dem Lancieren im- wie expliziter Drohungen beigetragen. Das von der chronisch krisenanfälligen und kaum berechenbaren Volksrepublik Korea ausgehende Bedrohungspotential geht jedoch über dessen tatsächliche Handlungen hinaus: Abgesehen vom Eskalationspotential auf der koreanischen Halbinsel könnten ohnehin vor­handene Spannungen in Ostasien durch ein Fortbestehen des Konflikts weiter angeheizt werden. Solchen Entwicklungen gilt es entgegenzuwirken, wobei aufgrund der begrenzten Einflussnahmemöglichkeiten auf Pjöngjang selbst Strategien zur regionalen Konfliktprävention in den Vordergrund rücken müssen.

Von den Sechs-Parteien-Verhandlungen zu einer ostasiatischen „OSZE“?
Thomas Cieslik

Dieser Artikel diskutiert den Ansatz, ob das einst im Kalten Krieg erfolg­reiche Modell der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für Nordostasien tauglich ist. Aufgrund der Nuklearkrise in Nordkorea be­findet sich die nordostasiatische Region im Spannungsfeld der wichtigsten politischen Mächte. Die Sechs-Parteien-Gespräche sollen die Ambitionen Nordkoreas, ein eigenständiges Atomprogramm zu entwickeln, unterbinden. Doch wegen des fehlenden Vertrauens in der Region, des historisch bela­steten Verhältnisses zwischen China und Japan, der Erpressungspolitik Nordkoreas, der „Zuckerbrot- und Peitschen-Politik“ der USA und der außenpolitischen Emanzipierungsversuche Südkoreas wird die Notwendigkeit eines nachhaltigen Sicherheitsregimes immer größer. Dieser Artikel erörtert, ob sich aus den Sechs-Parteien-Verhandlungen zukünftig ein solches Regime in Nordostasien entwickeln könnte.

Die Grenzen des Regionalismus in Ostasien
Kay Möller

Obwohl es in Nord- und Südostasien eine Reihe von vielversprechenden, sich häufig überlappenden Ansätzen zu einem vertieften Regionalismus und einem qualitativen Multilateralismus gibt, hat dies bisher nicht zu straff institutio­nalisierten und die Akteure politisch bindenden Strukturen geführt. Das gilt nicht zuletzt für die Perspektive einer ostasiatischen Sicherheitsgemeinschaft. Ausschlaggebend sind dafür – neben der sino-japanischen Konkurrenz um regionale Suprematie – vor allem einzelstaatliche Nationalismen, andauernde Vorbehalte geben nationalen Souveränitätsverzicht und – damit eng verbunden – machtpolitische Imperative der einzelnen Akteure in der Region. Ostasien braucht deshalb einen „wohlwollenden Hegemon“  – eine Rolle, die derzeit nur die USA spielen können.

Historische Miszelle

Die Koreanische Demokratische Volksrepublik: Wiedervereinigungs- und Sicherheitsstrategien 1966-1989
Bernd Schäfer

Die Koreanische Demokratische Volksrepublik (KDVR) betrieb eine Wiedervereinigungspolitik mit Südkorea, die in den sechziger Jahren zunehmend militante Züge annahm. Insbesondere in der Zeit von 1966 bis 1969, als die kommunistische Vormacht in Ostasien durch die Kulturrevolution ge­bunden war, setzte Nordkorea auf revolutionär-militärische Lösungen. Als diese spektakulär scheiterten, bot der chinesisch-amerikanische Ausgleich ab 1971 die Option einer friedlichen Vereinigung der koreanischen Halbinsel auf evolutionärem Wege. Südkoreanische Innenpolitik und Desinteresse an einer Internationalisierung der Koreafrage verhinderten ein ernsthaftes Ausloten dieser Gelegenheit. Von Mitte der siebziger Jahre bis 1989 lähm­ten militärische Abschreckung und ökonomischer Aufschwung in Südkorea in Verbindung mit nordkoreanischen Wirtschaftsproblemen eine offensive Wiedervereinigungspolitik der KDVR.