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3/2010

85 (2010) 3: Friedenspädagogik

Friedenspädagogik als transformative Bildung
Werner Wintersteiner

Dieser Text ist der Versuch, ein zeitgemäßes Programm der Friedenspädagogik zu entwickeln. Er beginnt mit einer dreifachen Verortung der Friedenspädagogik, und zwar innerhalb der Friedensforschung, innerhalb gesellschaftspolitischer sowie innerhalb pädagogischer Debatten. Dazu gehe ich vom Konzept der Kultur des Friedens aus, das erstmals eine adäquate friedenswissenschaftliche Verortung der Friedenspädagogik erlaubt, illustriere ihre gesellschaftliche Funktion anhand der aktuellen Gewaltdiskurse und situiere Friedenspädagogik in der Konfrontation zwischen einem werteorientierten und einem wirtschaftsorientierten bildungspolitischen Diskurs. Abschließend erläutere ich dieses friedenspädagogische Programm anhand einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben der Gegenwart: dem Zusammenleben der „Verschiedenen“ in einer Welt der Verschiedenheiten.

Frieden lernen aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive. Ein Beitrag zur überfälligen Theoriediskussion innerhalb der Friedenspädagogik
Norbert Frieters-Reermann

Das Interesse an der Friedenspädagogik ist in den letzten Jahren weltweit deutlich angestiegen und der Friedenspädagogik wird bei der Prävention und Transformation von Kriegen und gewaltvollen Konflikten zunehmend eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Doch offenbaren sich in der gegenwärtigen Friedenspädagogik auch einige theoretische und konzeptionelle Defizite. Diese werden in dem Artikel zusammengetragen und als Ausgangspunkt gewählt, um die Friedenspädagogik aus einer ungewohnten theoretischen Perspektive zu betrachten und zu reflektieren. Diesbezüglich werden auf der Basis von systemtheoretischen und konstruktivistischen Theorieangeboten friedens- und konfliktbezogene Lernprozesse analysiert und Anregungen für die Weiterentwicklung der friedenspädagogischen Praxis entfaltet.

Peace Education Does Matter
! Zwischenergebnisse eines Forschungsvorhabens zur Friedenspädagogik in Konfliktgebieten
Volker Lenhart / Alamara Karimi / Tobias Schäfer

Aufgabe von Friedensbildung in Konfliktgebieten ist es, bei den Angehörigen von Konfliktparteien eine Friedenskompetenz aufzubauen, die zumindest die Fähigkeit zur Konflikttransformation ohne Anwendung bewaffneter Gewalt zum Inhalt hat. Die Maßnahmentypen bei friedenspädagogischen Projekten werden vorgestellt. Einblicke in ein laufendes Forschungsvorhaben zur Feldevaluation friedensbauender Bildungsprojekte in sieben Ländern (Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Kolumbien, Israel/Palästina, Nordirland, Sri Lanka, Sudan), das mit einem Experimentalgruppen-Kontrollgruppendesign arbeitet, werden gegeben. Am Beispiel der Ergebnisse für Sri Lanka und Sudan wird gezeigt: Friedensbildung macht einen Unterschied!

Friedenspädagogik in muslimischen Gesellschaften und islamischen Institutionen
Qamar-ul Huda

Die friedenspädagogische Tradition des Westens – repräsentiert durch angesehene Forscher wie Johan Galtung, David Hicks, Kenneth Boulding und Betty Reardon – hat auch einen großen Einfluss auf muslimische Pädagogen, die in ihren Heimatländern ebenfalls die Idee der Friedenspädagogik verbreiten wollen. Eine neue Generation muslimischer Forscher und Praktiker, die sich mit westlichen Ansätzen der Friedenspädagogik und Konfliktlösung beschäftigt, musste jedoch erkennen, dass eine bloße Übertragung westlicher Konzepte aufgrund mangelnder Resonanz ineffizient und ineffektiv ist. Um peacebuilding-Ansprüchen gerecht zu werden, erscheinen daher seit kurzem in verschiedenen muslimischen Staaten speziell islamische friedenspädagogische Hand- und Lehrbücher. Von Seiten westlicher Analysten aber sehen sich islamische Lehrpläne der Kritik ausgesetzt, durch die Verwendung vormoderner und veralteter Texte Intoleranz unter den muslimischen Seminaristen zu fördern. Dieser Artikel untersucht daher erstens die Probleme, auf die muslimische NGOs bei der Entwicklung friedenspädagogischer Materialien stießen, und analysiert zweitens verschiedene islamische friedenspädagogische Lehrbücher und Projekte.

„Peace Counts on Tour“ – Friedenspädagogik in Konfliktregionen
Uli Jäger / Nadine Ritzi / Anne Romund

„Peace Counts on Tour“ vereint Friedenspädagogik und qualitativen Journalismus. Ausgangspunkt des friedenspädagogischen Programms sind Reportagen über gelungene Beispiele konstruktiver Konfliktbearbeitung. Anhand von Biographien über Personen, die erfolgreich Friedensprojekte in der ganzen Welt initiieren, hat das Institut für Friedenspädagogik ein dialogorientiertes Workshopformat entwickelt, um Begegnungs- und Austauschplattformen für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Der Artikel beschreibt, wie „Peace Counts“ in unterschiedlichen Konfliktregionen der Erde arbeitet, und zeigt, wie Menschen von Vorbildern lernen können. Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie lernt man, Frieden zu machen?

Über die Grenzen lernen. Die Alpen-Adria-Sommer-Friedensuniversität. Von einer Kriegskultur zu einer Friedenskultur im Alpen-Adria-Raum
Bettina Gruber / Daniela Rippitsch

Im August 2009 wurde in Tarcento/Italien im Rahmen des ERASMUS IP Programms die erste Sommer-Friedensuniversität zum Thema „Von einer Kriegskultur zu einer Friedenskultur im Alpen-Adria-Raum“ abgehalten. Die drei Universitäten Udine, Klagenfurt und Koper/Capodistria konzipierten dieses innovative Projekt, dessen Hauptschwerpunkte auf den Bereichen Friedenspädagogik, Mehrsprachigkeit und Zeitgeschichte lag. Den Kernbereich bildete das studentische Projekt „Erinnerungskultur“, in dessen Rahmen nach eingehender Vorbereitung der Studierenden in Lehrveranstaltungen im Kontext des Schwerpunkts Erinnerungskultur und Gedächtnispolitik Zeitzeug/innen-Interviews geführt und dann bei der Sommer-Universität länderübergreifend reflektiert und diskutiert wurden. Gedächtnispolitik, vergleichende Erinnerungskultur, Vorurteils- und Stereotypenforschung sowie Zeitgeschichte und Konflikttransformation wurden in multinationalen Gruppen gelehrt und gelernt. Die Vielsprachigkeit der Referent/innen und Studierenden (fünf Sprachen) konnte in den zwei Wochen der Sommer-Universität er- und gelebt werden und machte die Besonderheit der Region Alpen-Adria als multilinguale Grenzregion der EU sichtbar.