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Rezension

Ahlbrecht, Kathrin / Bendiek, Annegret / Meyers, Reinhard / Wagner, Sabine: Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System

Von Marvin Oppong

Das Lehrbuch will alle wichtigen Aspekte der Konfliktregulierung und der Friedenssicherung in den internationalen Beziehungen behandeln. Im ersten Kapitel wird eine Einführung in den Konfliktbegriff gegeben und es werden die verschiedenen Arten von Konfliktursachen auf den verschiedenen Konfliktebenen erläutert. Ebenso wird auf die Bedeutung von Ethnien und ethnischer Identität im Zusammenhang mit Konflikten eingegangen. Schließlich werden die Erscheinungsformen ethnopolitischer Konflikte, deren Ursachen und die Rolle von Eliten bei ethnischer Polarisierung umschrieben.

Im zweiten Teil des Buches wird die Genese der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien ausführlich behandelt. Hier werden die ethnischen Rahmenbedingungen der Konflikte, die Rolle von Nationalismus und die unterschiedlichen Interessen der Konfliktakteure thematisiert.

Der dritte Teil widmet sich eingehend verschiedenen Wegen der Konfliktbearbeitung: Nach einem kurzen Exkurs in die für die Konfliktforschung relevanten Grundlagen der Spieltheorie wird auf die Stellung der Akteure im Rahmen der Konfliktbearbeitung und ihr Handeln auf Grundlage verschiedener „Tracks“ eingegangen. Hier wird sehr detailliert die Rolle von Nichtregierungsorganisationen beschrieben. Der folgende Abschnitt befasst sich mit der Verhütung von Konflikten durch Prävention. Anschließend wird die Konfliktvermeidung durch Intervention und Abschreckung dargelegt, einschließlich der Maßnahmen nach Kapitel VII der Charta der Vereinten Nationen. Besonders problematisiert wird hier die Wirkung von Wirtschaftssanktionen als Zwangsmittel. Zudem wird das Eingreifen der NATO in den Kosovo-Konflikt als Beispiel für einen Fall verpasster Prävention und misslungener Abschreckung aufgegriffen. Ein weiterer Abschnitt beschreibt die Möglichkeiten, die die Verrechtlichung von Konflikten für deren Einhegung eröffnet. Hier findet sich auch die Friedenssicherung im Rahmen der Vereinten Nationen und der OSZE wieder. Im vorletzten Abschnitt des Kapitels wird anhand des Daytoner Abkommens und des Stabilitätspaktes für Südosteuropa gezeigt, wie regionale Konflikte durch multilaterale Regimebildung geregelt werden können. Schließlich wird die Konfliktnachsorge durch sozioökonomische Stabilisierung und Entwicklung analysiert.

Im Anhang des Buches finden sich Grafiken und Übersichten, etwa zu Peacekeeping- und Peacebuilding-Missionen der Vereinten Nationen, ein Verzeichnis über Internetquellen von Karten, zur Friedens- und Konfliktforschung und zu Akteuren der Konfliktregelung und Friedenssicherung sowie eine Liste mit deutsch- und englischsprachiger Literatur zum Thema.

Aus sprachlicher Sicht ist das Buch gut zu lesen, wenngleich einige Rechtschreibfehler den Lesefluss ein wenig stören. Gleich auf der ersten Seite überrascht die Verwendung des Begriffes „Dritte Welt“, der als überholt gelten dürfte. Das Layout fördert die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit. Positiv hervorzuheben sind die durchgängig verwendeten Randnotizen, die die Orientierung und das Wiederfinden von Textstellen erleichtern. Tabellen und Abbildungen lockern den Text auf und sind der Veranschaulichung dienlich. An vielen Stellen werden anschauliche und kenntnisreiche Beispiele aufgeführt. Allerdings ist an manchen Stellen eine gewisse sprachliche Redundanz festzustellen, die möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass es sich um ein Lehrbuch handelt, in dem eingehende Erläuterung überdurchschnittliche Bedeutung hat.

Insgesamt nimmt jedoch das Kapitel über das Ende des Vielvölkerstaates Jugoslawien, wenn dieses auch einen ausgesprochen guten geschichtlichen Überblick bietet, für ein Werk, das sich mit Konfliktregelung und Friedenssicherung „im internationalen System“ auseinandersetzen will, zu breiten Raum ein. Insgesamt macht das Kapitel fast ein Fünftel der gesamten Publikation aus. In dem Abschnitt selbst wird für ein Werk über Konfliktregelung und Friedenssicherung wiederum zum Teil zu sehr ins Detail eingestiegen, anstatt in dem Konflikt angewandte Verfahren der Konfliktschlichtung und friedlichen Streitbeilegung abstrakt zu erfassen. Etwa wenn erwähnt wird, welchen Modells die Kampflugzeuge der jugoslawischen Armee im Jahr 1990 waren. Auch weiter hinten im dritten Teil werden Mazedonien, der Kosovo, das Dayton-Abkommen und Serbien-Montenegro und der Stabilitätspakt für Südosteuropa über lange Strecken behandelt. Hier wäre es weniger eurozentristisch und universeller gewesen, auch nicht-europäische Konflikte als Beispiele zu wählen. Wenngleich die eingehende Behandlung der europäischen Konflikte auch zeigt, dass die Autoren wissen, wovon sie schreiben.

Insgesamt wird das Werk trotz einiger kleinerer Abstriche dem Anspruch eines Lehrbuches in vollem Umfang gerecht, in dem es Einsteigern die Thematik auf fundierte und verständliche Weise näherbringt, eignet sich aber auch darüber hinaus als Quelle.

Marvin Oppong, Bonn

[PDF]

Bibliographische Angaben:
Ahlbrecht, Kathrin / Bendiek, Annegret / Meyers, Reinhard / Wagner, Sabine
Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System
Wiesbaden: Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009
272 S., € 29,90
ISBN 978-3-531-15441-1
www.springer-vs.de

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