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Rezension

Ekkehard Griep (Hrsg.):
Des Friedens General. Manfred Eisele – Vom Kriegsflüchtling zum obersten Blauhelm

Von Helmut Volger

 

Nach ihrer Gründung 1945 sahen sich die Vereinten Nationen durch die immensen Probleme, vor die sie in ihren Aufgabenfeldern gestellt wurden, immer wieder zu Weiterentwicklungen und Reformschritten veranlasst: So hat die UNO auf die globalen Herausforderungen reagiert und ihre von der UN-Charta definierten Handlungsspielräume im Lauf der Zeit beträchtlich erweitert. In diesem Prozess der Weiterentwicklung haben profilierte und couragierte Persönlichkeiten eine wichtige Rolle gespielt, mit ihren klaren konzeptionellen Entwürfen, ihren überzeugend vorgetragenen Argumenten und ihrer Mischung aus diplomatischem Verhandlungsgeschick und Standfestigkeit in der Sache.

Das von Ekkehard Griep herausgegebene Buch „Des Friedens General“ gibt dem Leser die Gelegenheit, eine solche Führungspersönlichkeit kennenzulernen: Manfred Eisele, der nach einer Karriere in der Bundeswehr im Dezember 1994 von UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali zum Beigeordneten Generalsekretär für Planung und Unterstützung im Department for Peacekeeping Operations (DPKO) berufen wurde und in dieser Funktion bis Ende Februar 1998 tätig war.

Eisele war für die Planung und Durchführung der UN-Friedensmissionen zuständig, hat sich darüber hinaus auch um strukturelle Reformen des Peacekeeping bemüht, in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter des DPKO, Kofi Annan, der 1997 zum UN-Generalsekretär gewählt wurde und Eisele in seinem Amt bestätigte.

Ekkehard Griep, der von 1995 bis 1998 Referent von Eisele in New York war, hat aus Anlass des 75. Geburtstags von Manfred Eisele ein lesenswertes Buch herausgegeben, das den gelungenen Versuch unternimmt, in Beiträgen von 22 Autoren, darunter biographische Skizzen, Interviews, Schilderungen der Arbeit in New York, Berichte über persönliche Begegnungen mit ihm und Texte zu den aktuellen Konzepten für die Weiterentwicklung der UN-Friedenssicherung, seiner Persönlichkeit, seiner Arbeit und seinem konzeptionellen Denken gerecht zu werden.

Es wird deutlich, welche schwierigen politischen und konzeptionellen Aufgaben Eisele als Planungschef der UN-Friedenstruppen zu bewältigen hatte, vor dem Hintergrund unklarer Mandate des Sicherheitsrats und der oft nur zögernden Bereitschaft der Staaten, bei schwierigen Friedensmissionen wie in Ruanda Truppenkontingente zu stellen.

Es ist Eiseles Stärke, dass er in den Gesprächen und Verhandlungen die Probleme beim Namen nennt, im Ton freundlich-verbindlich bleibt, aber in der Sache klar und eindeutig. Dadurch erwirbt er sich bei den UN-Mitarbeitern und Diplomaten der Mitgliedstaaten viel Respekt und Wertschätzung.

Er erkennt bald, dass strukturelle Veränderungen erforderlich sind, um die UN-Friedenssicherung wirksamer zu gestalten: So sorgt er für eine personelle Aufstockung des DPKO, um die mehr als ein Dutzend Friedensmissionen mit bis zu 80.000 Soldaten angemessen planen und durchführen zu können. Er führt Teamarbeit anstelle hierarchischer Kommunikationsstrukturen ein und setzt durch, dass die Kommunikationstechnik zwischen New York und den Friedensmissionen verbessert wird ebenso wie die Beschaffung und der Transport der Ausrüstung und der Versorgungsgüter für die Friedensmissionen. Er führt anstelle der bisher praktizierten komplizierten Kostenrückerstattung im Einzelfall eine Pauschalerstattung ein. Und schließlich – ein Meisterwerk diplomatischer Verhandlungskunst – setzt er das Konzept der sog. Stand-by-Arrangements durch, in denen eine große Zahl von Staaten detaillierte Angebote an Personal und Gerät für Friedensmissionen bei der UNO hinterlegen, was den Planungs- und Umsetzungsprozess bei neuen Friedensmissionen erheblich beschleunigt.

Er hat damit, dass wird dem Leser deutlich, die UN-Friedenssicherung von ihren Arbeitsmethoden her so reformiert, dass sie überhaupt erst in die Lage versetzt wurde, auf Dauer eine Vielzahl von Friedensmissionen vorzubereiten und durchzuführen. Und er hat für weitere Reformen der UN-Friedenssicherung, wie sie Anfang des neuen Millenniums konzipiert und umgesetzt wurden, die Richtung gewiesen. Das ist zweifellos sein Verdienst. Außerdem hat er, das machen die Berichte und persönlichen Anmerkungen der Autoren deutlich, durch seine Gradlinigkeit und seinen Pragmatismus sowie durch seine Freundlichkeit und Fairness viele Freunde gewonnen und beste Werbung für die Arbeit der Vereinten Nationen gemacht.

Das Buch macht – ähnlich wie die Veröffentlichungen über Ralph Bunche, Dag Hammarskjöld und Kofi Annan – deutlich, wie wichtig überzeugende Persönlichkeiten für die Vereinten Nationen sind. Das Buch bietet dem Leser darüber hinaus viel Anschauungsmaterial über die Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Tätigkeit in einer Führungsposition bei den Vereinten Nationen und über die wichtige Arbeit der UN-Friedenssicherung.

Alles in allem ein Buch, das dem Leser ermöglicht, auch ohne Vorkenntnisse und theoretische Konzepte sich intensiv mit der UN-Friedenssicherung auseinanderzusetzen.

Dr. Helmut Volger

[PDF]

Bibliographische Angaben:
Ekkehard Griep (Hrsg.):
Des Friedens General. Manfred Eisele – Vom Kriegsflüchtling zum obersten Blauhelm
Freiburg: Herder 2013
416 S., 24,99 €, ISBN 978-3-451-30743-0


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