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Die Friedens-Warte in der Weimarer Republik

Mit dem 22. Jahrgang kehrte die Redaktion der Friedens-Warte im Jahre 1920 wieder nach Deutschland zurück und leistete mit ihren Beiträgen zum Völkerbundgedanken und der mit dem Versailler Vertrag einhergehenden und von Fried früh erkannten Problematik für das deutsche Volk einen wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung der durch Krieg und Zensur geschwächten Friedensbewegung. 1921 verstarb Alfred Fried im Alter von 57 Jahren. Die Weiterführung gelang zunächst auf Grundlage einer Zusammenarbeit von Ludwig Goldscheid und weiteren langjährigen Autoren wie Ludwig Quidde, Walther Schücking, Hans Wehberg und Friedrich Hertz, bis schließlich im Jahre 1924 der international renommierte Völkerrechtler Hans Wehberg, der seit der Zeit der Zweiten Haager Friedenskonferenz eng mit dem Organ verbunden war, die Herausgeberschaft übernahm.

“Die Friedens-Warte ist das älteste pacifistische Organ deutscher Zunge, das von Anbeginn für eine auf Recht und Gegenseitigkeit begründete zwischenstaatliche Organisation zur Vermeidung der Kriege eingetreten ist; sie wird als älteste Vorkämpferin des Völkerbundgedankens in ihren Bestrebungen fortfahren, die Politik des wahren Friedens zur alleinigen Richtschnur zu machen, nach der zukünftig die Verständigung der Völker untereinander vor sich zu gehen und die rechtliche Entscheidung zwischenstaatlicher Konflikte zu erfolgen hat.“(Anzeige, in: FW 20.Jg., Nr. 7 (1920), S. 96)

Angesichts des stark polarisierenden Charakters zahlreicher aktueller Themen wie etwa der Kriegsschuldfrage war der neue Herausgeber bemüht, die verschiedenen Strömungen der stark gewachsenen und heterogeneren Friedensbewegung zu Wort kommen zu lassen und von deren Tagungen und Organisationen zu berichten. Mit der Aufnahme der Zeitschrift zum offiziellen Programm der Deutschen Friedensgesellschaft übernahm diese zeitweise eine besondere Verantwortung für das Fortbestehen der Friedens-Warte. Weil zahlreiche rechtliche Regelungen zur Kriegsvermeidung noch im Prozess begriffen waren und die Weiterentwicklung des Völkerbundes mitunter zu einer allgemeinen Rechtsunsicherheit führte, machte sich Wehberg diesen rechtlichen Klärungsbedarf zu eigen und setzte durch einen größeren Anteil an völkerrechtlichen Artikeln neue Akzente für die Zeitschrift, wobei er auch Wissenschaftlern aus dem Bereich der neu entstehenden Disziplin der Internationalen Beziehungen, mit denen er in engem Kontakt stand, Raum zur wissenschaftlichen Erörterung bot. Gehaltvolle Diskussionsforen bildeten darüber hinaus die von Wehberg regelmäßig initiierten „internationalen Umfragen“, die sich mit besonders kontroversen Themen wie etwa der Kriegsdienstverweigerung oder dem Sanktionskrieg beschäftigten.

Verwissenschaftlichung im zweiten Schweizer Exil

Im Jahr 1928 folgte Wehberg einem Ruf an das Genfer „Institut Universitaire des Hautes Etudes Internationales“. Hier setzte allmählich die Umwandlung der Friedens-Warte zu einem wissenschaftlichen Fachorgan ein. Die Verbindungen zur deutschen Friedensbewegung reduzierten sich analog zu deren Spaltungs- und Radikalisierungstendenzen und galten nach ihrer endgültigen Zerschlagung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 als beendet. Die verstärkt wissenschaftliche Behandlung friedensrelevanter Themen ermöglichte den Vertrieb der Friedens-Warte in Deutschland noch bis ins Jahr 1936 hinein, von da an unterlag sie dem Verbot des Hitler-Regimes. In der Folge wurde die relative Zurückhaltung gegenüber dem Dritten Reich aufgegeben, zahlreiche Emigranten fanden in der Friedens-Warte ein Organ, unter dem sie ihre Publikationen weiterführen konnten. Ihr Fortbestehen – freilich unter einer deutlich geschrumpften Auflage – verdankte die Zeitschrift weiterhin der Carnegie-Stiftung. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges setzten sich viele Beiträge inhaltlich mit historischen Darstellungen und Vergleichen zum Ersten Weltkrieg und dem Scheitern des Völkerbundes auseinander, wodurch man sich wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung der zukünftigen internationalen Ordnung versprach. Neben den Friedenszielen der Alliierten wurden insbesondere die Pläne zur Gründung der Vereinten Nationen umfassend kommentiert. Noch vor Kriegsende befassten sich einige Autoren mit der Frage der deutschen Nachkriegsordnung, auch die Umerziehung als politische Maßnahme wurde diskutiert. Trotz finanzieller Schwierigkeiten gelang es ab 1947, die Zeitschrift in größerem Umfang wieder nach Deutschland zu schicken; in der Nachkriegszeit rückten völkerrechtliche Fragen zur Atomenergie, zur europäischen Einigung oder den Kriegsverbrecherprozessen in den Vordergrund.